Infothek

 

Infothek

Meldungsarchiv

Wir sagen, was wir meinen - und umgekehrt: In der Rubrik "KlarText!" kommentieren Fachleute aus dem Öko-Zentrum NRW das aktuelle Baugeschehen. Den jeweils aktuellen KlarText! finden sie auf dieser Seite; für frühere Einwürfe dieser Art folgen Sie bitte diesem Link.

Der Nachhaltigkeitskoordinator: Wer bin ich und wenn ja wie viele?

Jürgen Veit, Fachleiter des Öko-Zentrums NRW und Autor dieses "KlarText!"-Beitrages

Nachhaltiges Bauen - das klingt gut und wird gern als Schlagwort für wertbeständiges und umweltgerechtes Bauen genutzt. Doch viele assoziieren damit auch Mehraufwand und höhere Baukosten. Was hinter dem „nachhaltigen“ Bauen in der Praxis tatsächlich steckt und welche Vorteile es für Bauherren und Nutzer beinhaltet, muss daher bei Projekten immer wieder erklärt werden.

Nachhaltiges Bauen beginnt schon bei der Formulierung von Zielvorstellungen, die an ein Bauprojekt geknüpft sind. Daraus resultiert ein ganzes Bündel von Maßnahmen, die weitgehend planerische Leistungen umfassen. Diese sind von unterschiedlichen Fachrichtungen und zu verschiedenen Zeitpunkten zu erbringen: vorbereitend, begleitend / koordinierend, kontrollierend und korrigierend.

Um diese vielfältigen Anforderungen zu erfüllen, bedarf es einer ganzen Menge fachlicher Kompetenz, Erfahrung und auch personeller Ressourcen. Denn nachhaltiges Bauen ist Teamarbeit. Das deshalb, weil zu den einzelnen Planungs- und Bauphasen unterschiedliche Leistungen / Aufgaben anfallen:

Nachhaltigkeitsbezogene Projektvorbereitung

Die Beratung beginnt bei der Erfassung des Bedarfs und bei der Festlegung von Nachhaltigkeitszielen. Dazu können auch Machbarkeitsstudien gehören, ob z.B. ein Neubau oder eine Sanierung der geeignete Weg ist. Daran schließt sich ein Vergabeverfahren an, beispielsweise mit einem Planungswettbewerb, in dem diejenigen Nachhaltigkeitsaspekte, die für diese Planungstiefe geeignet sind, via Auslobung thematisiert und später ausgewertet werden. Dies kann für alle Bauvorhaben in Anlehnung an die Kriterien aus Bewertungs-/ Zertifizierungssystemen für nachhaltiges Bauen umgesetzt werden. Mit einer klaren Aufgabenverteilung unter den Projektbeteiligten sowie entsprechenden Verträgen endet die erste und sehr wichtige Phase der Nachhaltigkeitsberatung.

Nachhaltigkeitskoordinierung

Eine beratende Begleitung über die gesamte Planungs- und Bauzeit ist erforderlich, damit die Nachhaltigkeitsziele optimal umgesetzt werden und auch nachgewiesen werden. Dies ist vor allem ein Prozess zur Qualitätssicherung, bei dem die Erfüllung der Zielsetzungen laufend überwacht wird.

Nachhaltigkeitszertifizierung

Für eine Gebäudezertifizierung als unabhängiger Nachweis der erreichten Qualitäten wird meist von der Nachhaltigkeitskoordinierung auch die Dokumentation zusammengestellt und zum Abschluss zur Überprüfung eingereicht. Dazu kommt eine Reihe von Aufgaben, die bei Gebäudezertifizierungen zum Nachhaltigen Bauen als besondere Leistungen erforderlich sind:

Lebenszyklusbetrachtungen der Kosten und der Umweltauswirkungen / Ökobilanz.

Baustoffkonzept zur Vermeidung von Schadstoffen, Begleitung der Ausschreibungen und Bauausführung, Raumluftmessungen auf Schadstoffe.

Besondere Leistungen aus der Bauphysik wie z.B. Nachweis der Lüftungsraten, thermische Gebäudesimulation und andere Untersuchungen, die u.a. für den späteren Nutzerkomfort, Behaglichkeit und den Gebäudebetrieb entscheidend sind.

Sofern die diversen Nachweisleistungen nicht den jeweiligen Planern zugeordnet werden, können diese auch von der Nachhaltigkeitskoordinierung abgedeckt werden. Beispiele sind die Dokumentation des Energiekonzepts, die Erstellung eines Nutzerhandbuchs oder der Nachweis zur Reinigungs- und Instandhaltungsfreundlichkeit des Gebäudes.

Dass die genannten Leistungen im Idealfall durch ein interdisziplinäres Team aus Architekten, Bauphysikern, TGA-Planern, Bauingenieuren und weiteren Disziplinen abgedeckt werden, dürfte angesichts der aufgezeigten thematischen Breite klar sein. Die Empfehlung lautet daher, dass Nachhaltigkeitskoordinatoren nicht nur über eine mehrtägige Weiterbildung im Bereich Nachhaltigen Bauen verfügen, sondern sich auch mindestens ein Jahr lang intensiv mit dem Thema befasst haben.

Vor diesem Hintergrund hat auch das Öko-Zentrum NRW sein Nachhaltigkeitsteam aus derzeit sechs Personen so entwickelt, dass alle genannten Leistungsbereiche mindestens doppelt abgedeckt sind. Hinzu kommen weitere Kompetenzen zur Bauphysik im Haus, so dass die Beratungs- und Nachweisleistungen zum Nachhaltigen Bauen abgedeckt werden:

• Nachhaltigkeitsbezogene Projektvorbereitung für private Unternehmen sowie Kommunen und Bauverwaltungen

• Nachhaltigkeitskoordinierung, u.a. anhand der BNB- und DGNB-Kriterien für Gebäude unterschiedlicher Nutzung (z.B. Bürobauten, Schulen, Hochschulen und Außenanlagen)

• Lebenszyklusbetrachtungen

• Baustoffkonzepte / Baustoffberatung

• Innenraumqualitäten (Simulationen etc.)

• Energiekonzepte

Fazit: Nachhaltiges Bauen ist eine Teamaufgabe.

Es ist überdies zu empfehlen, dass sich ein „Nachhaltigkeitsteam“ - über die Leistungen in den Bauprojekten hinaus - noch flankierenden Themen widmet. Im Öko-Zentrum NRW sind dies Schulungen zum Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) und Projekte, die sich mit dessen Umsetzung beschäftigen (z.B. als Beratung von Organisationen, die das Nachhaltiges Bauen als Leistung anbieten möchten).

 

AKTUELLE TERMINE

24.11.2017

+++Fernlehrgang+++

energieplaner24 – Hamm

24.11.2017

+++Workshop+++

Workshop "Schimmelpilzsanierung" in Dortmund

07.12.2017

+++Workshop+++

Workshop "Nachhaltige und intelligente Gebäude VII"

08.12.2017

+++Fernlehrgang+++

gebäudeenergieberater24 - Hamburg