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Meldungsarchiv

Von der E-40 zu E-Learning und Energie-Effizienz: Seit 20 Jahren Wegbereiter für Wissentransfer und Weiterbildung

Manfred Rauschen, Geschäfts- führer des Öko-Zentrums NRW

Der 08. Juli 1993 war ein Freitag – und ein wichtiger Tag für die Ökologie in Deutschland. In Freising, einer Kreisstadt mit 45.000 Einwohnern nahe München, beschlossen die Stadtwerke als bundesweit erster Versorger, für Strom aus Solaranlagen eine sogenannte „kostendeckende Vergütung“ zu zahlen. Diese legten die Freisinger auf damals zwei Mark je Kilowattstunde fest. Die mutige Entscheidung schuf die Grundlage für die „Einspeisevergütung“, die dann 2000 in das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einging. Und das ist bekanntlich zum Modell für ähnliche Regelungen in vielen Ländern rund um die Welt geworden.

Um ehrlich zu sein: Wir haben diese Weichenstellung damals gar nicht mitbekommen. Denn 600 Kilometer nördlich von Freising war das Team des Öko-Zentrums NRW voll und ganz mit sich selbst beschäftigt: Am selben Tag, also am 8. Juli 1993, wurde nämlich in Hamm das - so der volle Untertitel - „Zentrum für biologisches und ökologisches Planen und Bauen“ offiziell eröffnet. Auch mit einem ministeriellen Festakt, vor allem aber mit einer zweitägigen Fachveranstaltung namens „solar ´93“. Zu der Kongressmesse gehörten Anbieterstände zum ökologischen Bauen und zu den Erneuerbaren, eine Fachtagung mit Forschungsergebnissen zu solaren Heizungs- und Kühlungssystemen sowie der öffentlichkeitswirksame Start der „Deutschen Meisterschaft für Solarfahrzeuge“. Beim ebenfalls angebotenen „Tag der offenen Tür“ blieb das befürchtete (und insgeheim erhoffte) Verkehrschaos aus: Die breite Masse hatte mit Umweltthemen halt noch wenig am Hut.

Das Chaos kam dann doch noch, ab 1994: In Hamm waren die Neunziger von zum Teil spektakulären Messen geprägt. Zum Publikumsmagneten entwickelte sich vor allem die „renergie“, deren Thema, der Name sagt es, die regenerativen Energien waren. 1995 kamen zur Eröffnung gleich zwei Minister, Wolfgang Clement (Wirtschaft) und Michael Vesper (Bauen), denn NRW wurde rot-grün regiert. Die Förderung der Erneuerbaren Energien sah man als Feld gemeinsamer Politik an und konnte dies in Hamm medienwirksam zeigen. Die „renergie“ bot unter anderem spektakuläre Exponate großer Windkraftanlagen. So half nur ein Trick, um den 16 Tonnen schweren Getriebekopf einer „ENERCON E-40“ überhaupt aufs Gelände transportieren zu können: Da zum Unterfahren einer Brücke an der Geländeeinfahrt genau 3 cm fehlten, wurde aus den Tieflader-Reifen etwas Luft abgelassen … Noch heute trifft man Fachleute, die bei Veranstaltungen im Öko-Zentrum NRW ihren „Draht“ zum Ökologischem Bauen oder zur Energie-Effizienz gefunden haben und sich gern an diese Zeit zurückerinnern.

Eine Art Weihnachtsgeschenk war der Auftakt für einen weiteren Meilenstein der Zentrums-Arbeit: Am Tag vor Heiligabend 1997 traf in Hamm noch ein größerer Fördermittelbescheid ein. Innerhalb eines EU-Projektes wurde dieses Geld gemeinsam mit Partnern aus Österreich und Finnland dafür eingesetzt, um Fernlehre mit Elementen des damals hoch innovativen E-Learnings zu entwickeln. Übrigens, auch wenn der eine oder andere Kunde dies bis heute anders vermutet: Dieser Förderbescheid vor nunmehr 16 Jahren war der letzte in der Geschichte des Öko-Zentrums NRW, das von Anfang an auf den Markt setzte und seit 2005 privatisiert ist. Diese Kundenorientierung verhalf auch dem E-Learning zum Erfolg: 1999 lief der Lehrgang Ecobau24 erstmals als Pilotkurs und begründete eine bis heute währende Stärke des Öko-Zentrums NRW: berufliche Weiterbildung mit einer Mischung aus Präsenz, Fernlehre und einem intensiven Tutoring mit multimedialen Mitteln.

Viele tausend Architekten, Handwerker, Bauingenieure und andere Baufachleute haben seitdem in den verschiedenen Kursen Qualifizierungen zum Gebäudeenergieberater, Passivhausplaner oder Baubiologen absolviert. Hinzu kommt eine Vielzahl von Tagungen, Workshops und Seminaren, die unsere Philosophie dokumentieren, durch Wissenstransfer das ökologische und energieeffiziente Bauen stärker in der Bauwelt zu verankern. Dazu gesellen sich unzählige Planungs- und Beratungsleistungen zu Plus-Energie-Häusern, ambitionierten Sanierungskonzepten, solaren Siedlungsplanungen und vielem mehr.

Das man heute eher von Nachhaltigem als von ökologischem Bauen spricht, kann das Öko-Zentrum NRW gut „verschmerzen“. Die Gründung der DGNB, die Einführung des Bewertungssystems Nachhaltiges Bauen (BNB) des Bundesbauministeriums und weitere Entwicklungen haben die ganzheitlichen Planungs- und Bauansätze angeschoben. Dieser Rückenwind hilft, um deutlich zu machen, dass Klimaschutz nicht beim energieeffizienten Neubau und der Steigerung der Sanierungsquote aufhören darf. Die Auswahl der Baustoffe, die Innenraumqualität, angepasste Haustechnik, verkehrliche und soziale Aspekte müssen mit berücksichtigt werden, wenn ein Projekt das Attribut „nachhaltig“ wirklich verdienen soll.

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