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Meldungsarchiv

Nicht ökologisch zu bauen muss man sich leisten können

Bettina Kasper

Kommentar zum Jahresbericht des Bundesrechnungshofs und den Hinweisen zum Neubau des Umweltbundesamts

Ganz zum Anfang: Ich finde es wichtig, dass kontrolliert wird, wofür der deutsche Staat Geld ausgibt. Vom Bundesrechnungshof kommen wichtige Hinweise, wo nicht sorgsam mit auch meinen Steuerzahlungen umgegangen wird.
Bei der im Jahresbericht 2012 des Bundesrechnungshofs geäußerten Kritik am Neubau des Umweltbundesamtes sind mir allerdings diverse Fragen durch den Kopf gegangen:
Anhand welcher Kriterien wird eine Beurteilung festgemacht wird, ob der Neubau des Umweltbundesamtes in Dessau von 2005 als ökologisches Vorbild dienen kann oder nicht: Nur an den Kosten für die Errichtung, den Energiekosten und den Wartungskosten?

  • Gab es auch eine Befragung der Nutzer, ob sie sich in dem Gebäude wohl fühlen?
  • Wie sieht es mit der Entwicklung der Krankenstände aus?
  • Wie hoch sind überhaupt die Personalkosten im Vergleich zu den oben genannten Kosten?

Haben andere energieeffiziente Modellvorhaben, beispielsweise aus dem EnOB-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums, bei der Kostenbewertung nach einigen Jahren im Betrieb besser abgeschnitten?
Wie lassen sich in den Bundesbauverwaltungen bei Baumaßnahmen die Anforderungen aus dem Leitfaden Nachhaltiges Bauen, aus dem Erlass zur Unterschreitung der EnEV-Anforderungen und vielen anderen Vorgaben umsetzen – immer unter Berücksichtigung der Anforderungen an die Wirtschaftlichkeit gemäß den Vorgaben der Bundeshaushaltsordnung?
Warum übt der Bundesrechnungshof nicht auch Kritik an den Kosten für den Abriss von Gebäuden der öffentlichen Hand wegen hoher Schadstoffbelastungen und den dadurch notwendigen Ersatzneubauten?
Oder an den hohen Energiekosten der vollklimatisierten Bürogebäude aus den 1970er Jahren, die sich nur mit hohem Kostenaufwand auf den heute gewünschten Standard bringen lassen?
Können Bürogebäude, die sich im Sommer so stark aufheizen, dass die Mitarbeiter zu flexiblen Arbeitszeiten, Heimarbeit oder Bürotausch greifen müssen, später - wie von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verlangt - noch „wirtschaftlich veräußert werden“?
Ökologisches oder nachhaltiges Bauen ist also auch als „Risikominimierung“ zu verstehen, damit solche späteren Folgekosten“ möglichst selten auftreten. Bei Planung und Bau des Umweltbundesamtes sind gerade viele solcher Überlegungen – beispielsweise die Auswahl möglichst schadstoffarmer Baustoffe – eingeflossen.
Viel interessanter ist aus meiner Sicht eine Diskussion darüber, welche Arten von Gebäuden heute gebaut werden sollen, die auch noch in 50 oder 100 Jahren gerne genutzt werden. Da sich Gebäude nur schwer „virtuell“ vor dem Bauen testen lassen, werden Modellprojekte weiter gebraucht, um gute, aber auch schlechte Erfahrungen zu machen.

Ihre Bettina Kasper

Links zum Thema
Jahresbericht 2012 und Pressemitteilung des Bundesrechnungshofs:
http://bundesrechnungshof.de/veroeffentlichungen/bemerkungen-jahresberichte
Stellungnahme des Umweltbundesamtes:
http://www.umweltbundesamt.de/uba-info/dessau/index.htm
Stellungnahme des Architekturbüros Sauerbruch Hutton:
http://www.sauerbruchhutton.de/html/UBA_stellungnahme.html

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