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Meldungsarchiv

"Wärmedämmung kann Heizkosten in Höhe treiben" - tatsächlich?

Jürgen Veit

Die Ergebnisse seien „brisant“, warnte „Die Welt“ Anfang Oktober 2012. Mehrere Studien, heißt es in dem Artikel, „belegen einen höheren Energieverbrauch bei gedämmten Wohnhäusern“. „Belegt“ wird durch solche Berichte aber vor allem eines: fehlende Sachkenntnis.
Bei Streitgesprächen im Rahmen der energetischen Sanierung von Altbauten wird oft die Rele­vanz des U-Wertes und der in der EnEV festgelegten Bilanzverfahren für die Berechnung des  Energiebedarfs angezweifelt. Dabei stehen unter anderen folgende Punkte in der Diskussion:
-
        Strahlungswärmegewinn der Außenwände
-
        Speicherfähigkeit der Außenwände
Die genannten Einflussgrößen waren bereits in den 1980er Jahren Gegenstand zahlreicher Unter­suchungen, die beispielsweise in der Literaturstudie [1] aus 160 mess- und rechentechnischen Unter­suchungen zusammengefasst wurden. Den Ergebnissen dieser Zeit ging voraus, dass versucht wurde den Wärmedurchgangskoeffizienten (damals noch k-Wert) auch als instationäre Kenngröße zu defi­nieren (siehe z.B. [2] oder die bekannte Entwicklung des Temperatur­amplituden­ver­hältnisses von Heindl aus dem Jahr 1967 [3]). Diese Bemühungen führten zu keinem brauchbaren Ergebnis und fanden daher keinen Eingang in Technische Regelwerke.

Heute sind sowohl der Strahlungsgewinn der Außen­wände, als auch die Berücksichtigung der Speicher­fähigkeit – nicht nur – der Außenwände Bestandteil der gemäß EnEV anzuwendenden Be­rech­nungs­verfahren. Die Berechnungsverfahren wurden so entwickelt, dass Aufwand und Genauig­keit prakti­kabel bleiben. Für genauere Ergebnisse können thermische Gebäudesimulationen eingesetzt werden.
Der oben genannte Artikel vermischt die Abweichungen des errechneten Energiebedarfs zu dem realen Energieverbrauch vor und nach Anbringen einer Wärmedämmung mit den Effekten aus Nutzerverhalten.
In der Realität findet nach einer energetischen Sanierung meist auch eine Veränderung des Nutzungsverhaltens statt. Generell ist – nicht nur im Baubereich - die Erfahrung zu machen, dass durch moderne Technik zwar die Energieeffizienz verbessert wird, wir uns aber als Nutzer „mit gutem Energiespar-Gewissen“ dann so verhalten, dass wir das Energie nutzende Angebot ausgiebiger verwenden. In einem sehr schlecht gedämmten Altbau werden vielleicht nur wenige Räume geheizt, während man nach der Sanierung gerne das gesamte Gebäude temperiert.

Es ist schon richtig von besserer Energie-Effizienz zu sprechen; was wir aber eigentlich wollen, ist primär nicht Effizienz, sondern sind echte Energieeinspareffekte und Effektivität in der Ressourcenschonung.
Die Konsequenz liegt nicht im Verzicht auf Wärmeschutz; es ist ein politisches nicht-technisches Dilemma zu überwinden (siehe z.B.: [4])

Ihr Jürgen Veit

[1] Hauser, G.: Einfluss des Wärmedurchgangskoeffizienten und der Wärmespeicherfähigkeit von Bauteilen auf den Heizenergieverbrauch von Gebäuden. Bauphysik 1984, Heft 5, S. 180-186 und Heft 6, S. 207-213
[2] Hauri, H.H.: Berechnung des dynamischen k-Wertes. Bauphysik 1979, Heft 2, S. 50-52

[3] Heindl, W.: Neue Methoden zur Beurteilung des Wärmeschutzes im Hochbau. Die Ziegel­industrie 1967, Heft 4, S. 111-118 mit mehreren Fortsetzungen im selben Jahrgang
[4] Endres, A.: Wir sitzen in der Rebound-Falle. Effizienz bringt viel zu wenig Energieersparnis, sie kann den Verbrauch sogar steigen lassen. Ein politisches Dilemma? Natur 2012, Heft 10, S. 32-33

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